
Ürgüp ist 20 km östlich von Nevşehir gelegen und ein wichtiges Zentrum Kappadokiens. Im Verlauf seiner bewegten Geschichte hatte es viele Namen. Die Byzantiner nannten es Osiana (Assiana) Hagios Prokropios, die Seldschuken Başhisar, die Osmanen Bulgut Kalesi. In den ersten Republikjahren erhielt es seinen heutigen Namen. Die älteste bekannte Siedlung bei Ürgüp war Tomissos an den Hängen des östlich des Flusses Damsa gelegenen Berges Avla. Bedeutende Überreste der späteren römische Periode sind die Felsengräber in Ürgüp und den umliegenden Dörfern.
Ürgüp war das wichtigste religiöse Zentrum unter den Byzantinern und mit den umliegenden Felsenkirchen und Kapellen ein Bistum.

Im 11. Jahrhundert war Ürgüp mit seiner bedeutenden Burg für die Seldschuken in Bezug auf die für sie wichtigen Städte Niğde und Kayseri von hoher strategischer Bedeutung. Aus der seldschukischen Zeit stammen die Türben Altıkaplı und Temenni Tepe. Die im 13. Jahrhundert errichtete Altı Kaplı-Türbe für eine Mutter mit ihren beiden Töchtern hat sechs Seiten mit je einem Bogenfenster und ist oben offen. Von den beiden Türben auf dem Temenni Tepe (Hügel) wurde eine - von den Einheimischen 'Kılıçarslan Türbe' genannt - von Vecihi Pascha für den Seldschukensultan Rüknettin Kılıçarslan errichtet, von der anderen nimmt man an, dass sie Sultan Alaaddin Keykubat gehört. Manche Forscher lehnen diese Annahme jedoch ab. 1515 wurde Ürgüp in das Osmanische Reich eingebunden und im 18. Jahrhundert Nevşehir (Muşkara) unterstellt. Nevşehir war die Geburtsstadt eines osmanischen Grosswesirs und Schwiegersohnes von Sultan Ahmet III. Damit hatte Ürgüp erstmals in seiner Geschichte seine führende Rolle verloren.
Im Kamüs-ül- Alam, einem Geographie- und Geschichtswerk aus den Jahren 1888-1900 von Şemsettin Sami, steht, dass in Ürgüp 70 Moscheen, fünf Kirchen und elf Bibliotheken stünden.
Die St. Theodorus (Tağar)-Kirche
Wenn man auf der Strasse von Ürgüp nach Kayseri nach 8.5 km rechts abbiegt und noch 8 km weiterfährt, erreicht man das Dorf Yeşilöz im Kreis Ürgüp. Die hier stehende Kirche hat einen T-förmigen Grundriss und eine Zentralkuppel, die allerdings eingestürzt ist. Die Öffnung wurde mit Glas verschlossen. Die Galerie in der oberen Etage kann man über eine Treppe erreichen, für eine kappadokische Kirche einzigartig. Die ziemlich gut erhaltenen Fresken wurden von drei Künstlern zu verschiedenen Zeiten ausgeführt. Die Kirche stammt aus dem 11. Jahrhundert, die jüngsten Fresken wurden im 13. Jahrhundert gemalt. Sie stellen die Deesis, die Verkündigung, die Geburt, die Propheten, die Apostel, Jesus am Kreuz, die Erzengel Gabriel und Michael und in Medaillons Heilige dar.
Die Pancarlık Kirche
Das Pancarlık (Rüben)-Tal liegt südlich der Kleinstadt Ortahisar rechts an der Strasse von Ürgüp nach Mustafapaşa. Hier steht die Pancarlı-Kirche, ein einräumiges Gebäude mit einer Apsis und gut erhaltenen Fresken auf grünem Grund. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob sie von zwei verschiedenen Künstlern gemalt seien. Erst nach intensiver Betrachtung stellt sich heraus, dass sie aus einer Hand stammen. Der reiche Bilderzyklus mit biblischen Szenen verläuft in Friesen, die aufeinanderfolgen und an beiden Seiten von je einem Medaillon mit einem Heiligenbild abgeschlossen werden. Die Pancarlı-Kirche stammt aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts.